Archiv für den Monat: April 2012

Erziehungsgeld ist falsche Familienpolitik

Wieder einmal steht in Folge der Diskussion um das von der Bundesregierung beabsichtigte Bundesbetreuungsgeld das Landeserziehungsgeld auf dem Prüfstand. Der Thüringer Landeselternverband Kindertagesstätten vertrat dazu schon in der heftigen Debatte um die Familienoffensive die Auffassung, dass in Zeiten knapper Haushalte klare Prioritäten gesetzt werden müssen. Zunächst ist es vordringlich, die Kindertageseinrichtungen und Schulen finanziell so auszustatten, dass sie ihre Aufgaben erfüllen können. „Hier gibt es noch viel zu viele finanzielle Risiken und offene Baustellen, als dass wir Geld übrig hätten“, betont die Vorsitzende des TLEVK, Bettina Löbl.

Erziehungsleistung in der Familie muss selbstverständlich sein und sollte nicht entlohnt werden. „Ich sehe die Verantwortung der Gesellschaft darin, familienfreundliche Lebensbedingungen zu schaffen, die die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ermöglichen und die Familien stärken, so Löbl weiter. „Deshalb haben wir jahrelange harte Auseinandersetzungen um den Ausbau der Kindergärten und qualitativ hochwertige Betreuungsstandards geführt.“ Wenn man haushalterisch Prioritäten setzen muss, ist das Geld besser in einer familienfreundlichen Infrastruktur angelegt. Dazu gehören gute Kindergärten genauso wie z.B. Eltern-Kind-Zentren, Mehrgenerationenhäuser sowie gute schulische und außerschulische Angebote.

„Angesichts der demografischen Entwicklung muss nachhaltige Haushaltspolitik vorrangig für familienfreundliche Rahmenbedingungen überall im Lande sorgen – alles andere gefährdet die Zukunft dieses Landes“ betont Löbl. Sie verweist ausdrücklich darauf, dass dazu sowohl die Angebote für das Zusammenleben mit Kindern als auch die Verantwortung gegenüber den Senioren als „den alt werdenden Eltern“ zählen.

Bettina Löbl
Vorsitzende TLEVK

Hengstenberg Pikler Teamfortbildung

Teamfortbildung nach Hengstenberg-Pikler in Kita Helbedündorf

Hengstenberg Pikler Teamfortbildung

Am vergangenen Samstag durfte ich als Elternteil der Kita Helbedündorf zum zweiten Mal an einer Teamfortbildung zum Hengstenberg-Pikler-Konzept teilnehmen. Meine Eindrücke und Erfahrungen dazu möchte ich heute kurz zusammenfassen.

Hengstenberg-Pikler – Was ist das?

Der Name Emmi Pikler steht heute für einen Bewusstseinswandel in der Kleinkindpädagogik: Schon der Säugling wird als Mensch ernstgenommen, wodurch auch die Langzeitschäden einer Kindheit im institutionellen Rahmen nachweislich nicht aufgetreten sind.

Emmi Pikler erkannte schon bei ihrer familienberatenden Tätigkeit den Wert der Eigenaktivität und selbstbestimmten Bewegungsentwicklung des Kindes für seine Persönlichkeitsentfaltung.

Zitat: Hengstenberg-Pikler-Gesellschaft http://www.hengstenberg-pikler.de

Elfriede Hengstenberg (1892-1992) war Gymnastiklehrerin in Berlin und hat dort mit Großstadtkindern gearbeitet. Ihr Anliegen war es, dass Kinder selbständig ihre Bewegungsfähigkeiten entdecken und entwickeln können.

„Wir alle kennen diese ursprünglichen Regungen der Kinder, die immer wieder darauf hinauslaufen, allein probieren zu wollen. Wir sollten nur noch mehr darum wissen, dass diese unermüdliche Überwindung von Widerständen aus eigener Initiative dem Kind jene Spannkraft verleiht, die wir ihm zu erhalten wünschen, und dass die Freude an der Auseinandersetzung mit Schwierigkeiten darauf beruht, dass es selbständig beobachten, forschen, probieren und überwinden durfte.“
(Elfriede Hengstenberg)

Zitat: Hengstenberg-Pikler-Gesellschaft http://www.hengstenberg-pikler.de

Die Teamfortbildung ist auch genau nach diesem System aufgebaut, nach einem interessanten Vortrag zur Kleinkindpädagogik wurde auch ein spielerischer Teil mit verschiedenen Hengstenberg-Materialien durchgeführt, die Welt auch mal aus der Sicht der Kinder zu erleben, das Kind in sich selbst wieder besser verstehen zu lernen, um all das ging es an diesem Tag.

Unsere Kita arbeitet nun seit mehreren Jahren erfolgreich mit diesem Konzept, aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen, dass es den Kindern einfach nur gut tut. Ich habe durch meine beiden Kinder den direkten Vergleich, Meine 3-jährige Tochter ist in der Entwicklung weiter und verhält sich anders als mein jetzt 12 jähriger Sohn zu dieser Zeit. Schon die Kleinkinder lernen schneller und früher, sind freier beim Spielen.

Spielen ist die natürliche Ausgangsbasis für optimales Lernen, es dient dem Prozess des sich Vertrautmachens mit:

  • dem Körper
  • mit den Dingen (Konstruktionsspiele)
  • mit dem Lebendigen (Rollenspiele)
  • mit dem Miteinander (Regelspiele)

Das Spiel ist der Königsweg zu Intelligenz, kreativem Denken und Freude.

Für mich persönlich hat diese Teamfortbildung wieder sehr viel gebracht, ich lerne die Entwicklung meines Kindes verstehen und ich lerne, auch in der heutigen, hektischen Zeit, ein kindgerechtes Spielen und kindgerechtes Leben zu ermöglichen, anstatt schon dem Kind die Hektik des Alltags aufzubürden.

Jörg Esser
Elternsprecher Kita Tausendfüßler Helbedündorf